„Völlig widersinnig, aber es ist die Natur.“ Mit diesen Worten beschrieb Bosch-Experte Dr. Thomas Strohm das Verhalten von Lichtteilchen bei unserer jüngsten Make it in Schramberg-Veranstaltung.
Rund 45 Gäste folgten unserer Einladung zum gemeinsamen Austausch über Quantencomputing, dieses Mal zu Gast bei BRUGGER MAGNETSYSTEME, um das komplexe Thema greifbarer zu machen.
Die zentrale Frage: Warum ist eine Technologie, die noch von der Marktreife entfernt ist, schon heute für den Mittelstand relevant?
Als Chief Expert für Quantentechnologien bei Bosch Research zeigte Dr. Thomas Strohm Chancen und Grenzen für hiesige Unternehmen auf.
Die Kernpunkte der Veranstaltung im Überblick:
Die physikalische Grundlage verständlich erklärt: Ein normaler Computer rechnet mit Bits, die nur den Zustand 0 oder 1 kennen (wie ein Lichtschalter). Quantenbits (Qubits) nutzen Teilchen wie Licht oder Atome und können 0 und 1 gleichzeitig sein (wie eine drehende Münze). Dadurch können sie unzählige Rechenwege parallel testen. Um das Verhalten von nur 30 Qubits mathematisch zu beschreiben, müsste ein herkömmlicher Rechner bereits eine Milliarde Zahlen gleichzeitig speichern.
Wichtige Industriezweige: Quantentechnologie revolutioniert nicht nur das Rechnen, sondern vor allem die Sensorik. Quantensensoren messen Magnetfelder oder Temperaturen um ein Vielfaches präziser als heutige Systeme, ideal für die Medizintechnik oder autonome Fahrzeuge. Auch in der Chemie- und Pharmaindustrie (Simulation neuer Materialien und Medikamente) sowie in der Logistik und Energiewirtschaft wird die Technologie zum Gamechanger.
Der Entwicklungsstand: Technisch gibt es noch starke Einschränkungen. Qubits behalten ihre Information oft nur für Millionstel Sekunden.
Für wirtschaftliche Vorteile in der Praxis braucht es ca. 100 fehlerfreie Qubits, wafür physisch etwa 5.000 einzelne Qubits verbaut werden müssen. Hardware-Hersteller rechnen mit rund fünf Jahren Entwicklungszeit.
Wer profitiert heute schon? Wirtschaftlich erfolgreich sind aktuell vor allem Zulieferer. Dr. Strohm nannte die Münchner Laserfirmen Toptica und Menlo, deren Systeme in Forschungslaboren weltweit zum Einsatz kommen.
Internationale Wettbewerbssituation: Laut McKinsey flossen rund acht Milliarden Dollar in US-amerikanische Quanten-Start-ups, in europäische dagegen nur eine Milliarde. Es droht die Gefahr, dass europäische Pionierarbeit frühzeitig von US-Investoren aufgekauft wird.
Das Fazit für den Mittelstand:
Der direkte Nutzen lässt sich aktuell noch nicht erzielen. Dennoch empfiehlt Thomas Strohm, jetzt das Know-how aufzubauen. Wer wartet, bis die Hardware fertig ist, riskiert einen entscheidenden Wettbewerbsnachteil. Die Devise lautet: Die technologische Logik erlernen und erste Testläufe starten.
Wir bedanken uns bei Dr. Thomas Strohm für den Einblick, BRUGGER MAGNETSYSTEME für die Gastfreundschaft sowie bei allen Teilnehmern für den angeregten Austausch.